Klischees

Black is beautiful

Black is beautiful

Der kurze Satz Black is beautiful hat verschiedene Bedeutungen: Die einen denken dabei sofort an Mode, an zeitloser Eleganz, die schwarze Kleidung für viele ausdrückt.

Doch der Ursprung liegt in einer kulturellen Bewegung in den USA. Damit sollte die rassistische Vorstellung widerlegt werden, dass die natürlichen Merkmale schwarzer Menschen – wie Hautfarbe, Gesichtszüge und Haarstruktur – per se hässlich sind. Die Bewegung ermutigte Männer und Frauen, damit aufzuhören, Merkmale afrikanischer Abstammung zu eliminieren, indem sie ihre Haut aufhellen oder bleichen.

Und noch eine andere Bedeutung hat dieser Satz: In Japan färbten sich Frauen einst die Zähne schwarz. Das galt als absolutes Schönheitsmerkmal. Warum das so war, erfahrt ihr hier.

Schwarze Zähne sind schön

Schwarze Zähne als Schönheitsmerkmal? In unseren Breiten gelten sie als Zeichen von mangelnder Hygiene. In Japan war es jedoch über eine lange Zeit hinweg in Mode, die Zähne mit einer speziellen Mixtur zu färben.

Über Jahrhunderte hinweg galten schwarze Zähne als schön. Sie galten als besonders attraktiv und erotisch. Die Praxis des Ohaguro, also des Zähneschwärzens, war vor allem beim Hochadel verbreitet und später auch bei den Samurai. Ab dem 18. Jahrhundert praktizierten vorwiegend Frauen diese Methode. Verheiratete Frauen zeigten damit ihre ewige Treue. Doch auch in Bordellen kam diese Praxis zum Einsatz, denn schwarze Zähne galten als hocherotisch.

Ohaguro: Tradition & Ritual

Mädchen lernten ab etwa dem zehnten Lebensjahr, die Zutaten für das Zähnefärben zu sammeln. Vor der Hochzeit bzw. vor dem ersten Kundenbesuch erhielten die jungen Frauen alle Utensilien für das Ohaguro, das Zähnefärben.

Das Mittel wurde unter anderem aus Eisenschrott, beispielsweise aus rostigen Nägeln, die erhitzt wurden, zubereitet. Anschließend wurde es in Wasser und Essig oder Reiswein und Tee getränkt und in luftdichten Behältern fermentiert. Es gab allerdings verschiedene Rezepturen, um die schwarze Farbe herzustellen. Da sich die Farbschicht auf den Zähnen nur wenige Tage lang hielt, musste die Prozedur regelmäßig durchgeführt werden.

Japanische Kultur

Der Ursprung dieser Tradition ist nicht ganz klar. Die einen behaupten, es handele sich um eine Form der Zahnpflege, die anderen, es diene der Differenzierung zwischen Menschen und Dämonen, da letztere häufig mit großen weißen Zähnen dargestellt wurden. Andererseits sind die Zähne der einzige Teil des menschlichen Skeletts, der sichtbar ist. Dadurch entstand eine Verbindung mit dem Tod, was es zu vermeiden galt.

Eine weitere Theorie besagt, dass es kulturell bedingt üblich war, Gefühle in der Öffentlichkeit zu verbergen. Ein weit geöffneter Mund beim Lachen, der die weißen Zähne zeigte, galt als Kontrollverlust und war daher zu vermeiden. Laut dieser Theorie kaschierten schwarze Zähne diesen Makel.

Doch auch der Trend des Zähnefärbens ging irgendwann zu Ende. Als Kaiserin Shōken im Jahr 1873 mit weißen Zähnen auftrat, verschwand diese Tradition allmählich. Nur im Rotlichtmilieu hielt man noch bis ins 20. Jahrhundert hinein daran fest.

Fazit

Was für die einen unglaublich klingt, war oder ist andernorts das absolute Schönheitsideal. Das zeigt, dass Schönheitsideale keine biologischen Wahrheiten sind. Sie sind das Produkt von Tradition und sozialem Kontext.

Ohaguro bricht radikal mit den heutigen, westlich geprägten Vorstellungen von einem makellosen, weißen Lächeln. Diese Tradition macht deutlich, dass Attraktivität im Auge des Betrachters liegt und niemals als absolut gelten kann.

Literaturhinweise:

  • Berlanda, Maurizio. 2025. Hidamari no Ki. Il tramonto dello Shogunato Tokugawa. Youcanprint.
  • Smith, Christine A. 2003. So Tasteful: A Note about Iron-Gall Ink. IN: The Book and Paper Group. American Institute for Conservation of Historic and Artistic Works. Vol. 22, S. 127-129.
  • Taylor, Paul C. 2016. Black is Beautiful: A Philosophy of Black Aesthetics. Wiley.
  • Wagatsuma, Hiroshi. 1967. The Social Perception of Skin Color in Japan. IN: Daedalus 96.2, Color and Race. MIT Press.

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