Amalie Buchheim (1819–1902) war die erste Museumsleiterin Deutschlands. Als solche erhielt sie ein Gehalt, wenn auch ein deutlich geringeres als ein Mann in derselben Position. Dennoch war sie eine wichtige Wegbereiterin für Frauen in der Wissenschaft.
Amalie Helene Charlotte Buchheim war die Tochter von Wilhelm Buchheim. Dieser war als herzoglicher Hofküster und Mitarbeiter des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde in Ludwigslust tätig. Als die Altertumssammlung nach Schwerin verlegt wurde, zog die Familie mit um. Dort wurde Wilhelm Buchheim Custos.
Da der Vater bereits erkrankt war, führte er seine Tochter Amalie in die Pflege der Altertumssammlung ein. Sie arbeitete tatkräftig mit und übernahm nach und nach immer mehr Aufgaben.
Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1841 war Amalie Buchheim plötzlich für die Versorgung ihrer Mutter und ihres jüngeren Bruders verantwortlich. Sie hatte nun eine große Verantwortung und einen Vollzeitjob. Sie erhielt jedoch keinen Lohn, sondern ein Gnadengeld, von dem die Familie leben musste.
Doch dann erkrankte ihr Bruder. In mehreren Bittschreiben schilderten ihre Mutter und sie dem Herrscher ihre prekäre Lage. Erst nach massivem Drängen hinterließ der Großherzog der Mutter die Stelle des Custos. Doch diese war dazu nicht in der Lage. Amalie Buchheim übernahm diese Rolle.
1860 verstarb die Mutter. Nun setzte sich der Archivar und Erste Sekretär des Altertumsvereins, Friedrich Lisch, massiv dafür ein, dass Amalie Buchheim offiziell die Stellung der Custodin übertragen wurde. So wurde sie schließlich zur ersten Museumsleiterin Deutschlands.
Die spätere Archäologin Johanna Mestorf absolvierte ein Praktikum bei Amalie Buchheim. Während Amalie Buchheim als erste Museumsleiterin (Custodin) Deutschlands gilt, wurde Johanna Mestorf die erste offizielle Museumsdirektorin.
Dabei handelt es sich um eine klare Unterscheidung, da Amalie Buchheim die Sammlung verwaltete. Johanna Mestorf hingegen bekleidete eine formelle Direktionsstelle. Letztere hatte demnach administrative Rechte und einen vergleichbaren Status wie ein männlicher Behördenleiter.
Amalie Buchheim verstand ihr Handwerk. Auch wenn sie selbst nicht publizierte, so unterstützte sie doch maßgeblich verschiedene Größen bei ihren Publikationen. Zu ihnen zählen der Schweizer Geologe und Prähistoriker Adolph von Morlot (1820–1867) sowie Heinrich Schliemann (1822–1890), der als Entdecker Trojas in die Geschichte einging.
Amalie Buchheims Lebenswerk wurde bereits zu Lebzeiten gewürdigt. So erhielt sie im Jahr 1882 vom damaligen Großherzog die Medaille „Für Wissenschaft und Kunst” in Silber mit Schleife verliehen.
Das Leben von Amalie Buchheim verdeutlicht den mühsamen und von prekären Bedingungen geprägten Aufstieg von Frauen in der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts. Obwohl sie außerhalb der klassischen akademischen Hierarchien agieren musste, etablierte sie sich durch Disziplin und Fachwissen als unverzichtbare Größe der Altertumsforschung. Ihre späte staatliche Anerkennung setzte ein frühes, wenn auch kleines, Zeichen für die Anerkennung von Frauen im Museumsdienst.
Dennoch ist auch bei ihr, wie bei so vielen Frauen, der Matilda-Effekt zu beobachten: Während Amalie Buchheim Funde akribisch katalogisierte, das Archiv strukturierte und mit führenden Forschern wie Heinrich Schliemann korrespondierte, ernteten männliche Wissenschaftler den Ruhm für die Publikationen.
Literaturhinweise:
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