Philosophie

Dummer Teufel

Dummer Teufel

Der Mann? Ein dummer und böser Teufel! - Wer das sagte?

Sie war die zweite Frau und erste Österreicherin, die an einer deutschsprachigen Universität ihren Doktor in Philosophie erlangte: die Philosophin, Schriftstellerin und Kritikerin Helene von Druskowitz (1856–1918).

Liberale Schweiz

Die Universität Zürich war eine liberale Einrichtung. Lange Zeit war es die einzige Universität, die Frauen regulär zum Studium zuließ. Daher kamen Frauen aus ganz Europa und aus Russland, um in Zürich zu studieren.

Die als Helene Maria Franziska Druschkovich 1856 geborene Österreicherin reiste, nachdem sie ihre Matura als Externe erlangen durfte, mit ihrer Mutter nach Zürich. Dort begann sie ihre umfangreichen Studien: Archäologie, Germanistik, Klassische Philologie, moderne Sprachen und Orientalistik. 1878 promovierte sie und ihr wurde der Titel der Doktorin der Philosophie verliehen.

Helene als Schriftstellerin

Sie änderte ihren Namen in Helene von Druskowitz und begann als Dozentin für Literatur an verschiedenen Universitäten zu arbeiten. Zeitgleich schrieb sie viel und veröffentlichte unter anderem unter männlichen Pseudonymen. Auch verfasste sie Dramen, die jedoch wenig Erfolg hatten.

Helene von Druskowitz lernte literarische Zirkel kennen und freundete sich mit verschiedenen bekannten Persönlichkeiten an, unter anderem mit Lou Andreas-Salomé und Friedrich Nietzsche. Sie begann sich immer mehr mit Philosophie zu beschäftigen.

Helene und Nietzsche

Friedrich Nietzsche war wohl von Helene von Druskowitz angetan. Er lobte ihre Art, Gespräche zu führen und ihr Studium seiner Werke. Doch Nietzsche war ein Frauenfeind, sein Männlichkeitswahn schreckte Helene von Druskowitz bald schon ab. Außerdem kritisierte sie ihn und seine Schriften. Das ging sogar so weit, dass sie seine philosophischen Fähigkeiten stark in Frage stellte.

Da ist vor Allem zu bemerken, daß Nietzsche kaum ein Problem eingehend behandelt hat. Er gefällt sich darin, wo andere gearbeitet haben, in Winken und Andeutungen und geistreichen Bildern sich zu ergehen, er gesällt sich überhaupt mehr in der Rolle eines wissenschaftlichen Aufgabenstellers, als eines wissenschaftlichen Arbeiters. Ist er dazu berechtigt?

  • IN: Moderne Versuche eines Religionsersatzes, 1886, Helene von Druskowitz, S. 47.

In ihrem Werk Moderne Versuche eines Religionsersatzes (1886) sprach sie ihm sogar seine philosophischen Qualifikationen ab. Darin parodiert sie Nietzsches Zarathustra. Anfangs, als man noch dachte, diese Kritik wurde von einem Mann verfasst, wurde das Buch positiv aufgenommen. Doch eine Frau?

Schwierige Jahre

Helene von Druskowitz sprengte die Erwartungen, wie zu ihrer Zeit eine Frau sein sollte. Sie rauchte, war dem Alkohol zugeneigt, liebte Frauen, schrieb und philosophierte. Oft blieb sie als Außenseiterin in einer Welt, in der das angeblich nicht vorgesehen war.

Mit der Zeit hatte sie zunehmend mit psychischen Leiden zu kämpfen. Das ging so weit, dass sie in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht wurde. Sie wurde entmündigt – so entledigte man sich dieser unbequemen Frau.

Der blinde Wille zur Macht, wie man den unsauberen Grundzug im Manne genannt hat, ist nach unserer Meinung das Verwerflichste und Törichste in der gesamten Natureinrichtung.

  • IN: Pessimistische Kardinalsätze, 1905, Helene von Druskowitz, S. 33.

Doch sie ließ sich auch da nicht unterkriegen. 1905 veröffentlichte sie ihre radikal-feministische Abhandlung Pessimistische Kardinalsätze, ein Gegenstück zu all den frauenfeindlichen Schriften, die im Umlauf waren.

Religionskritik

In ihrem Werk präsentierte Helene von Druskowitz das in ihren Augen einzig wahre Übel der Welt: den Mann. In diesem Kontext verstand sie jegliche Religion als männliches Werk. Zeitgleich versuchte sie darzulegen, warum Frauen den Männern im Grunde überlegen waren. Sie ermutigte in diesem Zusammenhang alle Frauen, sich von der Ehe fernzuhalten und für ihre Rechte zu kämpfen.

Dennoch ist die Wissenschaft eine Art von Wohltat, weil sie als wichtigste Waffe gegen die Religion dient. Denn leider hat der Mann auch diese, sowie jede Art von Aberglauben und Schund gestiftet und muß nun die größte Mühe aufwenden, um des Ärgernisses wieder los zu werden.

  • IN: Pessimistische Kardinalsätze, 1905, Helene von Druskowitz, S. 30.

Sie war es, die bereits in ihren Schriften einforderte, dass jedes Gremium eine Frauenquote erfüllen müsse. Mädchenerziehung waren für sie genauso selbstverständlich, wie die freie Berufswahl für jedes Kind.

Fazit

Helene von Druskowitz war für ihre Zeit radikal in ihren Forderungen. Sie war eine radikale Feministin, die zahlreiche Grenzen sprengte. Das bezahlte sie mit einem hohen Preis. Insgesamt 27 Jahre verbrachte sie in Zwangspsychiatrie.

Irrenanstalten waren mitunter Orte, wo Macht und Kontrolle über Frauen ausgeübt wurde, die nicht gesellschaftlichen Normen entsprechen wollten. Widerspenstigkeit, Unabhängigkeit, aber auch “falsche” sexuelle Vorlieben waren bei Frauen nicht gerne gesehen.

Literaturhinweise:

  • Baumgartner, Marianne. 2015. Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien: (1885-1938). Böhlau Verlag Wien.
  • Gronewold, Hinrike. 1992. Helene von Druskowitz 1856–1918 – die geistige Amazone. In: Sibylle Duda (Hrsg.) Wahnsinns-Frauen. Suhrkamp Taschenbuch Verlag, S. 96–122.
  • Rullmann, Marit & Werner Schlegel. 2018. Denken, um zu leben. Wiesbaden: marixverlag.

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