Was tragen wir in uns, das uns gar nicht gehört? Wenn wir in den Spiegel blicken, sehen wir oft nur unser eigenes Gesicht. Doch hinter unseren Augen liegen die ungelebten Träume, der stumme Schmerz und die ungezählten Kämpfe all jener Menschen, die vor uns gingen.
Der Wissenschaftszweig der Epigenetik zeigt, dass Traumata und Ängste biologisch weitergegeben werden können. Ereignisse und nicht verarbeitete Emotionen können Spuren auf der DNA hinterlassen, die auf die nächsten Generationen übertragen werden. Wir erben eben nicht nur die Augenfarbe, sondern manchmal auch den Herzschmerz und die Geheimnisse einer Zeit, die wir selbst nie erlebt haben.
Genau dieser unsichtbaren Spur, die in unseren Zellen geschrieben steht, spüre ich in meinen Büchern nach, die ich unter meinem literarischen Pseudonym Fiona Novale veröffentliche.
Jede Wunde hinterlässt eine Narbe, und manche Narben ziehen sich durch Jahrzehnte. In meinem Buch Zeitwunden gehe ich der Frage nach, wie tief die Verletzungen der Vergangenheit in der Gegenwart nachwirken. Es geht um die Muster, die wir unbewusst wiederholen, und um den Moment, in dem das Schweigen der Vergangenheit das Leben im Hier und Jetzt bedroht.
Zeitwunden ist eine Hommage an all die Frauen, deren Geschichten nie erzählt wurden, deren Schmerz weggesperrt wurde, damit das Leben irgendwie weitergehen konnte. Erst wenn wir den Mut haben, diese alten Wunden anzusehen, können sie aufhören zu bluten.
Mein zweiter Roman, Spiegelblumen, zeigt die radikale Wucht, mit der verdrängte Wahrheiten an die Oberfläche brechen können.
Getrieben von tiefer innerer Unruhe flieht Frieda in die spirituelle Stille des Himalaya. Doch zwischen eisigen Gipfeln und wehenden Gebetsfahnen muss sie eine schmerzhafte Wahrheit erkennen: Manche Schatten reisen mit. Die wahren Geheimnisse liegen gelegentlich nicht an einem Ort, sondern in uns selbst, in unserer eigenen Geschichte, in unserer Ahnenlinie.
Spiegelblumen ist ein zutiefst bewegender Roman über die Frage: Wie weit musst du gehen, um bei dir selbst anzukommen?
Seit 2022 betreibe ich den Blog Erinnermich. Mein Anliegen ist es, aufzuzeigen, dass Frauen in jeder Epoche und auf allen Kontinenten Großartiges geleistet haben, was jedoch oft nicht gewürdigt wurde und wird. Viele Frauen sind in Vergessenheit geraten, nur weil sie Frauen sind.
Die wöchentliche Arbeit an diesem Blog hat mich zu meinen Romanen inspiriert. Ich schreibe diese Bücher, weil ich daran glaube, dass wir die Macht haben, den Kreislauf vererbter Traumata und verschwiegener Familiengeheimnisse zu durchbrechen. Wir sind nicht nur das Produkt unserer Gene. Wir sind die Hüterinnen der Geschichten, die darauf warten, endlich erlöst zu werden.
Eure Marlene Erschbamer alias Fiona Novale
Literaturhinweise:
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