Mehrere Regentinnen prägten Europa und schrieben so Geschichte: Maria Theresia von Österreich, Königin Victoria von England, die russische Kaiserin Katharina die Große und Elisabeth I. von England, um nur einige zu nennen.
Daneben gab es Frauen, die zwar nicht über militärische und politische Macht verfügten, dennoch ihre Zeit prägten. Eine von ihnen war Königin Luise von Preußen (1776–1810). Als es ihrem Mann an Entschlossenheit fehlte, bewies sie Stärke und trat mutig für ihr Land ein.
Luise wurde 1776 in Hannover geboren. Ihre Mutter verstarb früh. Sie hatte ein besonderes Band zu ihrer Schwester Friederike. Gemeinsam wuchsen sie am Hof von Darmstadt auf, einer liberalen Umgebung, in der die Mädchen ungezwungen heranwachsen konnten.
Im Jahr 1793 heiratete Luise Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Bereits nach wenigen Jahren, im Jahr 1797, wurden sie zu König und Königin von Preußen gekrönt. Die beiden waren sehr unterschiedlich: Während Luise als anmutig, fröhlich und liberal beschrieben wurde, galt ihr Gemahl als introvertiert und unentschlossen.
So liberal Königin Luise auch aufwuchs und so freundlich sie auch im Umgang mit den Untertanen war, sie vergaß doch nie, woher sie kam. Sie sah ihre adlige Herkunft als Verpflichtung. Revolutionäre Gedanken, die Gleichheit in der Gesellschaft forderten, waren ihr zuwider.
Außerdem verkörperte sie das gängige Ideal einer Frau der damaligen Zeit: Sie war eine liebevolle Ehefrau und Mutter, die vielen Kindern das Leben schenkte. In den 16 Ehejahren brachte sie zehn Kinder zur Welt. Sieben davon erreichten das Erwachsenenalter, zwei der Söhne wurden preußische Herrscher. Sie ging in der Rolle der Landesmutter auf und galt als Vorbild für bürgerliche Familien.
Und dennoch tat sie etwas Ungewöhnliches: Sie griff ins politische Geschehen ein. Lange versuchte Preußen, neutral zu bleiben, doch dann strebte Napoleon die Vorherrschaft in Europa an und setzte Preußen immer mehr unter Druck. Sie erkannte die drohende Gefahr, beeinflusste ihren zögerlichen Mann und überredete ihn, gegen Napoleon vorzugehen.
Preußen erklärte Frankreich daraufhin den Krieg, verlor jedoch verheerend. Napoleon ging sogar so weit, Luise öffentlich zu verspotten und ihr vor dem Volk die Schuld für den Krieg zuzuschieben.
Im Jahr 1807 kam es in Tilsit zum berühmten Treffen zwischen Königin Luise und Napoleon. Sie setzte all ihren Charme und Intellekt ein, doch Napoleon blieb hart. Dennoch würdigte er ihren Versuch und war von ihr beeindruckt.
Zu Lebzeiten war Königin Luise bereits eine Ikone und Medienstar ihrer Zeit. Sie wurde als “preußische Madonna”, “beste Mutter aller Zeiten” oder als “Schönste der Schönen” verehrt.
Luise verstarb im Alter von nur 34 Jahren an einer Lungenentzündung. Das Volk sah in ihr eine Märtyrerin, da sie angeblich an gebrochenem Herzen gestorben war. Nun wurde sie und ihr Leben immer mehr zum Mythos. Noch bis in die 1960er Jahre – also viele Jahrzehnte nach ihrem Tod – galt sie als Idealbild deutscher Weiblichkeit.
Literaturhinweise:
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