Die Britin Dora Winifred Russell, geborene Black (1894–1986), war mehr als nur die Frau des bekannten Philosophen Bertrand Russell: Sie war Aktivistin, Autorin, Feministin, Philosophin und Schulgründerin.
Sie befürchtete, dass all ihre Gedanken einst mit ihrem Mann, dem bekannten Philosophen Bertrand Russell, in Verbindung gebracht würden – und nicht mit ihr selbst. Damit sollte sie nicht ganz Unrecht haben. Schließlich war das das Schicksal vieler Frauen.
Nur weil die Männer die Welt so lange beherrscht haben, folgt daraus nicht, dass die Philosophie, mit der sie sie beherrscht haben, die richtige ist.
Wofür sie eintrat? Für mehr Frauenrechte, inklusive Empfängnisverhütung und damit mehr Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Sie warb für Bildung als Instrument zur Umgestaltung der Gesellschaft und als Kampf gegen Unterdrückung und Ungleichheit - aber eines nach dem anderen …
Dora Russell hatte das Glück, dass ihr Vater der Meinung war, dass Mädchen die gleiche Schulbildung wie Jungen erhalten sollten. Sie besuchte eine Privatschule, lernte in Deutschland Deutsch und erhielt ein Stipendium für das Frauencollege in Cambridge.
Nach ihrem Studium lernte sie Bertrand Russell kennen. Gemeinsam bereisten sie die Sowjetunion, China und Japan. Zusammen schrieben sie verschiedene Werke.
Doch heiraten wollte Dora Bertrand zunächst nicht. Für sie war die Ehe ein Symbol der Unterdrückung und sexuellen Einschränkung von Frauen. Erst als sie schwanger war, ließ sie sich dazu überreden. Gemeinsam bekamen sie zwei Kinder, für die sie eine eigene Schule gründeten, die nach ihren Vorstellungen geführt wurde.
Einschränken ließ Dora Russell sich deshalb jedoch nicht. Sie hatte auch eine Beziehung zu einem Journalisten, mit dem sie ebenfalls zwei Kinder bekam. Schließlich zerbrach die Ehe mit Bertrand Russell.
Dora Russell war politisch aktiv und setzte sich für sexuelle Befreiung, Gleichstellung, Frieden und Frauenrechte ein. Damit Frauen ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen können, waren für sie neben Bildung auch sexuelle Aufklärung und Informationen über Empfängnisverhütung von zentraler Bedeutung.
Wir wollen bessere Gründe, um Kinder zu bekommen, als die Unkenntnis über Verhütungsmethoden. Außerdem sollten wir die Mutterschaft nicht so darstellen, als sei sie etwas Alltägliches und Einfaches, das jede ohne Schaden und Leid durchstehen und bei dem sie ihre Kinder kompetent und gut erziehen kann.
Dora Russell war eine kritische Stimme, wenn es um gängige gesellschaftliche Konventionen ging. Sie verurteilte die patriarchalen Strukturen, die so tief in der Gesellschaft verankert waren und zum Teil bis heute bestehen. So trat sie beispielsweise für eine gerechtere Aufteilung in Erziehungsfragen ein, was der damals gängigen Rolle von Hausfrau und Mutter widersprach.
Literaturhinweise:
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