Pionierinnen

Black Friday

Black Friday

Es war der 18. November 1910 in London. Um die 300 Frauen versammelten sich, um gemeinsam zu den Houses of Parliament zu ziehen. Ihr Ziel? Das bereits versprochene, aber immer noch nicht umgesetzte Frauenwahlrecht zu erkämpfen.

Doch warum ging ausgerechnet dieser Tag als Black Friday in die Geschichte ein, noch lange bevor die Bezeichnung Black Friday als lukrativer Shopping-Tag entdeckt wurde?

Black Friday & Frauenrechte

300 Frauen, die sich aufmachten, um Rechte einzufordern, schien sowohl männlichen Zuschauern wie auch der Londoner Polizei das Fass zum Überlaufen zu bringen. Sie versuchten, den Marsch zu stoppen, wobei es zu Gewalt und teilweise auch zu sexuellen Übergriffen kam.

Unter den Demonstranten befand sich auch eine indische Prinzessin, Prinzessin Sophia Duleep Singh. Doch warum setzte sich eine indische Prinzessin für Frauenrechte in Großbritannien ein?

Die Familie

Ihr Vater, Maharaja Duleep Singh, war der letzte Sikh-Maharaja des Punjab auf dem indischen Subkontinent. Da er als Kind aus Indien verbannt wurde, verbrachte Duleep Singh einen Großteil seines Lebens in England und Frankreich, obwohl er hart um die Rückgabe “seines” Landes kämpfte.

Auf einer Reise über Ägypten nach Indien lernte er Bamba Müller kennen, die in einer Missionsschule arbeitete. Bamba Müller war die uneheliche Tochter eines Deutschen und einer Äthiopierin. Ihr Leben hatte sie bislang bei christlichen Missionaren verbracht.

Durch ihre Heirat mit Duleep Singh wurde sie zur Maharani und führte fortan ein luxuriöses Leben. Das Paar wurde von Königin Victoria in Großbritannien willkommen geheißen. Königin Victoria wurde auch Patin mehrerer ihrer Kinder, darunter auch Prinzessin Sophia Duleep Singh.

Einsatz für Indien

Prinzessin Sophia wurde in England geboren und wuchs behütet auf. Dennoch war sie sich ihrer Herkunft und der Ungerechtigkeiten bewusst. Deshalb setzte sie sich unter anderem für die Unabhängigkeit Indiens ein.

Zweimal reiste sie selbst nach Indien. Ihre Bekanntheit nutzte sie auch, um auf das Schicksal der indischen Soldaten aufmerksam zu machen, die im Ersten Weltkrieg für das britische Empire kämpften. Sie selbst war während des Ersten Weltkrieges als Rotkreuzschwester im Einsatz.

No Vote, No Tax!

Viel Zeit widmete Prinzessin Sophia dem Kampf für das Frauenwahlrecht in Großbritannien. Sie nahm an Kundgebungen und Demonstrationen teil, verkaufte Zeitschriften, die über dieses Thema informierten, und weigerte sich, Steuern zu zahlen.

Steuern sollten Frauen entrichten, wählen durften sie nicht. Diese Verweigerung war eine Form des Protests, um auf die fehlende Gleichberechtigung der Frauen aufmerksam zu machen: No Vote, No Tax!

Mutig und entschlossen setzte sie sich ihr Leben lang für die Rechte der Menschen ein. So wurde sie zur Symbolfigur für zwei große Kämpfe ihrer Zeit: für die Unabhängigkeit Indiens und für das Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Literaturhinweise:

  • Ahmed, Rehana & Sumita Mukherjee (Hrsgg.). 2012. South Asian Resistances in Britain, 1858 - 1947. Bloomsbury Academic.
  • Anand, Anita. 2015. Sophia: Princess, Suffragette, Revolutionary. Bloomsbury Publishing.
  • Hannam, June & June Purvis (Hrsgg.). 2020. The British Women’s Suffrage Campaign: National and International Perspectives. Routledge, Taylor & Francis Group.
  • Schöler, Leonie. 2024. Beklaute Frauen: Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen : die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte. Penguin Verlag.