Frauenrollen

Mut im Gepäck

Mut im Gepäck

Während sich andere Frauen mit Korsetts und Etikette beschäftigten, sattelte Freya Madeline Stark (1893–1993) lieber Kamele. Als eine der mutigsten Entdeckerinnen des 20. Jahrhunderts bewies sie, dass Wissensdurst und Entdeckerdrang keine Grenzen kennen.

Allein und oft mit kaum mehr als einer Landkarte im Gepäck drang sie in die entlegensten Winkel der südarabischen Wüste vor. Mit ihren über 25 Werken hinterließ sie uns nicht nur Reiseberichte, sondern auch ein Manifest für die Freiheit.

Die Abenteuerlust erwacht

Da eine Krankheit sie als Kind oft ans Haus fesselte, flüchtete sich Freya Madeline Stark früh in die Welt der Bücher. Nach ihrem Geschichtsstudium in London leistete sie im Ersten Weltkrieg Dienst als Krankenschwester in Bologna.

Zurück in London, arbeitete sie zunächst als Beamtin, bevor sie an der SOAS Arabisch und Persisch studierte. Dieser akademische Grundstein mündete 1927 in ihrer ersten großen Expedition nach Beirut, die sie in weiten Teilen inkognito durchführte.

Spionageverdacht und Wüstenhaft

Gemeinsam mit einer Frau reiste Freya Stark durch verschiedene Regionen Syriens und des Libanon. Obwohl sie nachts und in abgelegenen Gebieten unterwegs waren, wurden sie von Offizieren der französischen Armee aufgegriffen. Die Offiziere hielten sie für Spioninnen. Doch nach drei Tagen wurden sie wieder freigelassen.

Im Anschluss an diese Reise schrieb Stark ihren ersten Zeitschriftenartikel. Darin berichtete sie über ihre Reise und die Misshandlungen des syrischen Volkes durch das französische Regime.

Im Tal der Assassinen

Im Jahr 1930 brach Freya Stark in den heutigen Westiran auf, um die sagenumwobenen Täler der Assassinen zu erkunden. Da die Region damals für Europäer nahezu weißes Land auf der Landkarte war, widmete sie sich dort intensiven geografischen und archäologischen Studien. Die Erkenntnisse aus insgesamt drei Expeditionen hielt sie in ihrem Werk The Valleys of the Assassins (1934) fest.

Kurz darauf zog es sie zur antiken Stadt Schabwa: Sie segelte das Rote Meer hinunter, um der historischen Weihrauchstraße im Hadramaut zu folgen. Trotz einer schweren Erkrankung, die sie zum vorzeitigen Abbruch zwang, erkundete sie das Gebiet umfassender als jeder westliche Reisende vor ihr. Diese Erfahrungen verarbeitete sie in einer Trilogie, darunter The Southern Gates of Arabia (1936).

Zweiter Weltkrieg & weitere Reisen

Während des Zweiten Weltkriegs schloss sich Stark dem britischen Informationsministerium an. Dort wirkte sie am Aufbau der Propagandaorganisation Ikhwan al-Hurriya mit, die die arabische Welt zur Unterstützung der Alliierten oder zumindest zur Neutralität bewegen sollte. Ihre Erlebnisse aus dieser Zeit hielt sie in den Werken Letters from Syria und East is West fest.

In der Nachkriegszeit konzentrierte sie sich zunächst auf Reisen in die Türkei. Ihre letzte große Expedition führte sie nach Afghanistan. Doch sie schrieb noch lange über all ihre Erlebnisse und Abenteuer.

Fazit

Persönliche Grenzen sind oft nur gedankliche Konstrukte. In einer Zeit, die von kolonialen Vorurteilen und starren Rollenbildern geprägt war, begegnete Freya Stark der Welt mit radikaler Offenheit, tiefem Respekt und einer unerschütterlichen Neugier.

Ihr Vermächtnis ist ein Plädoyer für die Bildung als Brückenbauer: Durch das Erlernen von Sprachen und das Reisen ohne Vorbehalte bewies sie, dass Empathie und Wissen die sichersten Wege sind, um das Fremde in das Vertraute zu verwandeln.

Literaturhinweise:

  • Geniesse, Jane Fletcher. 1999. Passionate Nomad: The Life of Freya Stark. Random House.
  • Hansen, Peter H. 2004. Stark, Dame Freya Madeline (1893?–1993), Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press.
  • Moorehead, Caroline. 1985. Freya Stark. Penguin.
  • Stark, Frey. 1950. Traveller’s prelude : an autobiography. J. Murray.
  • Stark, Freya. 2002. Pässe, Schluchten und Ruinen: Die abenteuerliche Reise einer Frau auf den Spuren Alexander des Grossen in Kleinasien. Sierra.

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