Über das Stillen ranken sich zahlreiche Mythen. Schon früh haben sich Menschen die Frage gestellt, ob es so etwas wie die perfekte Stilldauer oder -praxis gibt. Daran scheiden sich bis heute die Geister. Es ist eben nicht einfach, Themen für alle zu vereinheitlichen bzw. alle Menschen über einen Kamm zu scheren.
Über das Stillen und die Muttermilch existieren zahlreiche Mythen und Geschichten. So besagt beispielsweise ein griechischer Mythos, dass die Milchstraße entstanden sei, weil die Göttin Hera beim Stillen ihre Muttermilch vergoss. Ein weiterer Mythos besagt, dass Hera ebenfalls Muttermilch auf die Erde vergoss, wodurch weiße Lilien entstanden seien.
Der göttlichen Muttermilch wurden demnach starke Kräfte beigemessen, die jeweils etwas Neues entstehen ließen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Milch in zahlreichen Schöpfungsmythen rund um den Globus als Ursubstanz dargestellt wird.
Abgesehen von Schöpfungsmythen rund um das Stillen, ist mittlerweile so einiges über die Geschichte des Stillens bekannt. So wurden die Kinder vor der Sesshaftwerdung, also zur Zeit der Jäger und Sammler, im Durchschnitt fünf Jahre lang gestillt. Frühe Bauern hingegen entwöhnten ihren Nachwuchs früher, meist nach zwei bis drei Jahren. Da das Stillen die Fruchtbarkeit beeinflussen kann, bekamen Frauen durch das frühere Abstillen schneller wieder Nachwuchs und die Bevölkerung stieg an.
Doch auch schon vor Tausenden von Jahren gab es Frauen, die Probleme mit dem Stillen hatten. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. In 4.000 Jahre alten Säuglingsgräbern wurden beispielsweise flaschenähnliche Gefäße gefunden, die Reste von Tiermilch enthielten.
In der Geschichte des Stillens spielte die Amme eine wichtige Rolle. Bereits in der Antike konnten sich wohlhabende Frauen Ammen leisten, die ihre Kinder gegen Bezahlung stillten. Diese Praxis kam in der frühen Neuzeit, vor allem in der französischen Oberschicht, wieder verstärkt auf.
Nicht selbst stillen zu müssen, galt als Statussymbol. Abgesehen davon soll die Kirche sexuelle Abstinenz während der Stillzeit verordnet haben. Man glaubte, dass eine erneute Schwangerschaft während der Stillzeit nicht vorteilhaft wäre bzw. mit Schäden verbunden sein könnte.
Fakt ist, dass das Stillen eine sehr intime Angelegenheit ist und dass Frauen bis heute unter Druck gesetzt werden, wenn sie sich gegen das Stillen entscheiden oder ihre Kinder über den als „normal” geltenden Zeitraum hinaus stillen möchten.
Unzählige Ratgeber geben Auskunft über die ideale Häufigkeit und Dauer des Stillens. So individuell und unterschiedlich wir Menschen sind, so verschieden ist auch das Stillen bei jedem Kind.
Wir sollten uns davon verabschieden, etwas vermeintlich perfekt zu machen, denn wer oder was ist schon perfekt? „Perfekt” ist schließlich nur einer von vielen Maßstäben, der wenig über die Qualität eines Menschen oder einer Sache aussagt.
Literaturhinweise: