Frauenrollen

Hüterin des Feuers

Hüterin des Feuers

Vestalinnen waren die Hüterinnen des Feuers und Priesterinnen der antiken römischen Göttin Vesta. Sie sorgten dafür, dass das Feuer im Tempel der Vesta niemals erlosch. Doch wer waren die Frauen, die zu Verstalinnen wurden und was bedeutete diese Rolle für ihr Leben?

Priesterinnen der Göttin Vesta

Sechs jungfräuliche Frauen lebten im Antiken Rom jeweils als Vestalinnen, später waren es sieben. Im Alter von sechs bis zehn Jahren wurden sie berufen. Ausgewählt wurden die Mädchen vom obersten Priester Roms, dem Pontifex maximus.

Mit Eintritt in die Gemeinschaft schieden die Mädchen aus der Herkunftsfamilie und jeglicher Erbfolge aus. Doch konnten sie nun frei über ihr eigenes Vermögen verfügen, ein Privileg, das nicht vielen römischen Frauen zuteil wurde.

Aufgaben der Vestalinnen

Neben der Aufgabe, dass das Feuer der Göttin niemals erlöschen durfte, waren sie es, die das Wasser aus einer heiligen Quelle holten, damit der Tempel der Vesta gereinigt wurde.

Zusätzlich kümmerten sie sich darum, verschiedene Mischungen für Kulthandlungen herzustellen. Dazu zählte die mola salsa, die aus Getreideschrot und Salzwasser bestand. Damit wurden Opfertiere vor rituellen Schlachtungen versehen. Die dienstälteste Vestalin war außerdem dafür zuständig, das suffimen anzufertigen. Es handelte sich um die Asche ungeborener Kälber, die durch das Opfer trächtiger Kühe gewonnen wurde und die für das Fest zur Gründung Roms benötigt wurde.

Status im Alten Rom

Vestalinnen waren überaus hoch angesehen. Ihr Status entsprach dem eines römischen Mannes. Außerdem hatten sie einige Sonderrechte, die sie von der breiten Masse abhoben.

Zu ihren Privilegien zählten, dass sie vor Gericht zeugnisfähig waren, im Zirkus und Theater auf den Ehrenplätzen der Senatoren platznahmen und für bestimmte Handlungen in der Stadt einen Wagen lenken durften. All das war besonders für Frauen.

Begegnete ein Gefangener auf dem Weg zu seiner Hinrichtung einer Vestalin, so wurde er nicht hingerichtet. Eine Bedingung war jedoch, dass die Vestalin versichern musste, dass sie ihm nicht absichtlich begegnet war.

Ende der Dienstzeit

In der Regel blieb eine Vestalin 30 Jahre lang im Dienst: die ersten zehn als Schülerin, die nächsten zehn als Dienerin und die letzten zehn als Lehrerin. Danach konnte sie vom Dienst ausscheiden und ein bürgerliches Leben führen, oder weiterhin in der Gemeinschaft bleiben. Die meisten wählten wohl die zweite Option.

Ein frühzeitiges Erlöschen dieser Rolle gab es, wenn eine Vestalin ihre Jungfäulichkeit verlor. Das wurde als schlechtes Omen gedeutet, nicht nur für die Vestalinnen sondern für ganz Rom. Brach eine Vestalin ihr Gelübte der Keuschheit, wurde sie unter Umständen als Strafe sogar lebendig begraben. Wurde der Mann, mit dem die Keuschheit verloren wurde, enttarnt, so wurde dieser zu Tode gepeitscht.

Überliefert ist beispielsweise das Schicksal der Vestalin Cornelia, die im ersten Jahrhundert nach Christus aufgrund ihrer Unkeuschheit lebendig in eine unterirdische Kammer eingegraben wurde. Doch gibt es auch Hinweise, dass einige Vestalinnen aufgrund von politischen Machenschaften und Kalkülen beschuldigt und verurteilt wurden.

Fazit

Vestalinnen besaßen rechtliche Freiheiten und gesellschaftliche Macht. Was auf dem ersten Blick nach einem freien Leben für Frauen aussieht, zeigt doch tief sitzende Strukturen des Patriarchats. Nur durch ihre Keuschheit hatten sie Macht. Sexualität und Macht wurde bei Frauen getrennt. Nur durch den Verzicht auf Sex und Ehe konnten diese Frauen aus der patriarchalen Vormundschaft heraustreten. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sie dennoch einem Mann unterstanden: dem obersten Priester Roms.

Vestalinnen sind ein weiteres Beispiel dafür, wie die Kontrolle des weiblichen Körpers durch den Staat und Religion funktionierte. Ein Bruch des Keuschheitsgelübtes war mit einem Staatsverbrechen gleichzusetzen, das ohne Gnade bestraft werden musste. Außerdem wurden in Krisenzeiten Vestalinnen verantwortlich gemacht. Ihnen wurde ein Keuschheitsbruch vorgeworfen, der die Krisen auslöste - so wurden sie zu Sündenböcken.

Literaturhinweise:

  • Hartmann, Elke. 2007. Frauen in der Antike: weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora. Beck.
  • Mekacher, Nina. 2006. Die vestalischen Jungfrauen in der römischen Kaiserzeit. Reichert.

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