Sie war eine bedeutende Freiheitskämpferin für Lateinamerika und wird als die erste Feministin Amerikas bezeichnet: Manuela Sáenz (1797–1856) aus dem heutigen Ecuador.
Die Geschichte der lateinamerikanischen Unabhängigkeit ist geprägt von Kriegen, Siegen und Niederlagen. Die Protagonisten waren dabei in der Regel Männer. Doch allmählich wird deutlich, dass Frauen im 19. Jahrhundert eine entscheidende Rolle in den Unabhängigkeitskämpfen spielten.
Nur wenige Frauen in Lateinamerika hatten Zugang zu Bildung. Der Großteil von ihnen konnte weder lesen noch schreiben. Die wenigen Frauen, die unterrichtet wurden, erhielten ihre Bildung meist durch Privatlehrer oder in Bildungseinrichtungen kirchlicher Institutionen. Das Ziel bestand darin, unterwürfige Ehefrauen und Mütter zu erziehen.
Davon konnte auch Manuela Sáenz ein Lied singen: Sie war die uneheliche Tochter eines spanischen Gentleman und einer Lateinamerikanerin. Nach dem Tod ihrer Mutter, Joaquina Aispuru, wurde sie von ihrem Vater in das Kloster Santa Catalina geschickt. Dort blieb sie bis zu ihrem 17. Lebensjahr, dann wurde sie hinausgeworfen, da sie eine Liebschaft eingegangen war.
Ihr Vater arrangierte daraufhin eine Ehe mit dem wohlhabenden britischen Geschäftsmann James Thorne. Dieser nahm sie mit nach Lima, wo Sáenz erstmals mit der Unabhängigkeitsbewegung in Kontakt kam.
Dann lernte sie Simón Bolívar kennen. Er war ein venezolanischer Soldat und Staatsmann, der die Revolutionen gegen die spanische Herrschaft im spanischen Vizekönigreich Neugranada anführte. Manuela Saénz und Simón Bolívar verliebten sich und kämpften fortan gemeinsam für die Unabhängigkeit.
Simón Bolívar und seinen Anhängern gelang es schließlich, die spanische Kolonialherrschaft zu beenden. Daraufhin wurden mehrere Staaten in Lateinamerika gegründet, in denen Bolívar auch mehrmals zum Präsidenten gewählt wurde. Sein Traum? Ein geeinter lateinamerikanischer Kontinent. Ein Traum, der ein solcher bleiben sollte.
Immer an seiner Seite kämpfte Manuela Sáenz für den gemeinsamen Traum. Nachdem sie 1828 ein Attentat auf Bolívar verhindert und ihm die Flucht ermöglicht hatte, nannte er sie fortan „Libertadora del libertador” („Befreierin des Befreiers”).
Zu dieser Zeit war Bolívar bereits Präsident von Großkolumbien (Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama) sowie von Peru und Bolivien. Er tendierte zu autoritären Praktiken, da er der Meinung war, dass die befreiten Territorien noch nicht reif für ein demokratisches System waren. Doch er wurde beim Volk immer unbeliebter. Schließlich legte er sein Amt nieder. Er wollte ins Exil gehen. Doch er verstarb.
Auch Manuela Sáenz musste ins Exil gehen, wo sie verarmte. Nach ihrem Tod wurde es still um sie. Erst im 20. Jahrhundert wurde sie wiederentdeckt. Anfangs wurde sie jedoch lediglich als Bolívars Geliebte verstanden.
Während Politik und Kriegsführung den Männern vorbehalten waren, bewegten sich Frauen in privaten und häuslichen Bereichen. Doch Manuela Sáenz fand verschiedene Wege, um an den männlichen Tätigkeitsbereichen sowie an den weiblichen Arenen ihrer Zeit teilzunehmen.
Auch fühlte sie sich nicht durch geschlechtsspezifische Konventionen eingeschränkt, die bestimmten, was als angemessenes weibliches Verhalten galt: Sie rauchte, kleidete sich maskulin und wurde für militärische Einsätze ausgebildet.
Literaturhinweise:
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