Geschichtsschreibung

Die Einstein

Die Einstein

Albert Einstein (1879-1955) und seine Relativitätstheorie sind vielen ein Begriff. Doch seit einigen Jahrzehnten wird kontrovers diskutiert, ob nicht auch seine erste Frau, Mileva Maric (1875-1948), einen größeren Teil dazu beigetragen hat.

Begabung für naturwissenschaftliche Fächer

Mileva Maric wurde 1875 in einer kleinen Stadt namens Titel im heutigen Serbien geboren, das zum damaligen Königreich Ungarn (Österreich-Ungarn) gehörte. Früh zeigte sie eine Begabung in naturwissenschaftlichen Fächern, was ihr Vater förderte.

In Zagreb durfte sie mit einer Sondergenehmigung als einziges Mädchen den Physikunterricht an einem Jungengymnasium besuchen. Nachdem sie die Matura erlangt hatte, ging sie in die Schweiz, wo Frauen bereits studieren durften.

Eine der ersten Physik- und Mathematikstudentinnen

Zuerst studierte sie in Zürich Medizin. Dann wechselte sie die Fächer und begann Physik und Mathematik zu studieren. Dort lernte sie auch Albert Einstein kennen und lieben. Aus diesen Jahren sind zahlreiche Liebesbriefe erhalten.

Dann wechselte Mileva Maric die Universität und schrieb sich als Gasthörerin an der Universität Heidelberg ein. Frauen durften damals noch nicht regulär in Deutschland studieren. Aber mit der Studienerlaubnis eines jeden einzelnen Professors durfte sie an den Lehrveranstaltungen teilnehmen.

Bis Du mein liebes Weiberl bist, wollen wir recht eifrig zusammen wissenschaftlich arbeiten, dass wir keine alten Philistersleut werden, gellst. Meine Schwester kam mir so philiströs vor. Das darfst Du mir ja nie werden, es wäre mir schrecklich. Du musst immer meine Hex bleiben und mein Gassenbub.

Abruptes Ende der wissenschaftlichen Karriere

Dann wurde sie schwanger und gebar Albert Einstein ein uneheliches Mädchen. Er soll die Tochter wohl nie kennegelernt haben, auch ist ihr weiterer Verbleib ungeklärt. In diese Zeit fällt auch das Ende ihrer wissenschaftlichen Karriere, da sie die Diplomprüfung nicht bestand.

Einige Zeit später wurde geheiratet und Mileva Maric gebar noch zwei weitere Kinder. In der Zeit hatte Albert Einstein seine produktivste Phase. Doch ihr Einfluss auf seine Leistungen wird in den Briefen deutlich, die Albert an Mileva schrieb.

Wie glücklich und stolz werde ich sein, wenn wir beide zusammen unsere Arbeit über die Relativbewegung siegreich zu Ende geführt haben! Wenn ich so andere Leute sehe, dann kommt mir’s so recht, was an dir ist!

Albert Einstein machte allmählich Karriere, Mileva Maric hingegen kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Ihrem Intellekt wurde das nicht gerecht. 1919 wurde ihre Ehe geschieden und Mileva Maric versorgte sich und die Kinder, indem sie Mathematik- und Klavierstunden gab.

Zu Unrecht in die Vergessenheit geschickt

Albert Einstein wurde weltberühmt. Mileva Maric kennt heute kaum jemand. Fest steht jedoch, dass sie eine der ersten Physik- und Mathematikstudentinnen war, Albert Einstein mit ihrem Esprit begeisterte und ihm wohl auch als gebildete Gesprächspartnerin bei der einen oder anderen Einsicht geholfen hat.

Literaturhinweise:

  • Esterson, Allen und David C. Cassidy. 2020. Einstein‘s wife: The real story of Mileva Einstein-Marić. London: The MIT Press.
  • Milan Popović (Hrsg.). 2003. In Albert’s shadow. The life and letters of Mileva Marić, Einstein’s first wife. Baltimore: Johns Hopkins University Press.

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