Geschichtsschreibung

Priestermörderin

Priestermörderin

Wir schreiben das Jahr 2025: Kriminologen haben einen Fall aus dem 14. Jahrhundert gelöst. Seitdem sind 668 Jahre vergangen. Nun scheint der Fall endlich aufgeklärt zu sein. Es ging um Moral, Macht, Machdemonstration und Rache.

Mord auf offener Straße

Im Jahr 1337 wurde der Priester John Forde auf offener Straße in London ermordet. Es war ein Freitagabend, es war noch hell und die Straßen waren belebt, als sich mehrere Männer auf ihn stürzten. Einer von ihnen schnitt ihm mit einem Dolch die Kehle durch, zwei weitere stachen ihm mit Messern in den Bauch.

Es handelte sich jedoch weder um einen gewöhnlichen Mord noch um einen eskalierten Streit. Es war ein kaltblütiger, geplanter Auftragsmord. Die Auftraggeberin wollte offenbar ein Exempel statuieren.

Die Auftraggeberin

Den Mord hatte die Adlige Ela Fitzpayne aus Südwestengland in Auftrag gegeben. Sie war die ehemalige Geliebte des Priesters.

Dieser hatte die Affäre einige Jahre zuvor gegenüber dem Bischof gestanden. Dies hatte schwerwiegende Auswirkungen für Ela Fitzpayne, nicht jedoch für den Kirchenmann.

Es kam heraus, dass Ela Fitzpayne noch weitere Liebschaften mit anderen Männern unterhielt. Die Kirche wollte sie dafür öffentlich demütigen und zur Buße bewegen. Deshalb wurde sie exkommuniziert.

Zudem verfügte der Bischof, dass sie keinen Schmuck mehr tragen dürfe und jeden Herbst barfuß mit einer schweren Wachskerze in der Hand durch die Kathedrale von Salisbury gehen müsse. Es war ein jährlicher, öffentlicher Walk of Shame, den sie zu bestreiten hatte. Außerdem wurde verfügt, dass sie hohe Geldsummen an Arme und Mönchsorden spenden musste.

Der Prozess

Auch wenn Ela Fitzpayne sich nicht an alle auferlegten Strafen hielt, war es für sie dennoch eine große Demütigung. Das könnte ein Grund gewesen sein, warum sie ihren Bruder und zwei Bedienstete damit beauftragte, den Priester auf der Straße niederzumetzeln.

Bereits kurz nach der Tat wurden die Ermittlungen aufgenommen. Die Namen der Täter waren bekannt, doch angeblich wusste man nicht, wo sie sich aufhielten. Auch die Auftraggeberin wurde ermittelt, doch die Justiz schloss in diesem Fall die Augen – typisch für die damalige Zeit, in der die Gesellschaft in verschiedene Klassen unterteilt war. Und die Auftraggeberin gehörte schließlich der Aristokratie an. Lediglich einer der Bediensteten wurde Jahre später doch noch angeklagt und ins Gefängnis gebracht.

Macht & Moral

Wie sich herausstellte, hatten die Auftraggeberin und das Opfer neben ihrer verbotenen Liebschaft noch mehr gemeinsam. Gemeinsam mit Ela Fitzpaynes Mann waren sie der Kopf einer Diebesbande, die ein Benediktinerkloster überfiel. Sie zerstörten dort Gemälde und trieben Ochsen, Schweine, Schafe und Lämmer auf die Burg der Fitzpaynes.

Der Auftragsmord schien eine Machtdemonstration zu sein. Zwischen Kirche und Adel herrschten schon lange Spannungen: Es ging um Macht, Moral und öffentliche Wahrnehmung. Ela Fitzpayne ging schließlich als Siegerin aus dieser Fehde hervor, auch wenn sie sich zuvor über Jahre hinweg Demütigungen hatte gefallen lassen müssen.

Literaturhinweise:

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