Pionierinnen

Frau am Steuer - Frau aus Stahl

Frau am Steuer - Frau aus Stahl

Ihre Mutter hätte sie lieber hinter dem Herd gesehen, doch Clärenore Stinnes (1901–1990), die auch „Frau aus Stahl” genannt wurde, hatte ganz andere Pläne: Sie war die erste Person, die die Welt in einem Auto umrundete. Für diese Reise benötigte sie etwas mehr als zwei Jahre, in denen sie zahlreiche Abenteuer erlebte.

Das Leben ein Abenteuer

Clärenore Stinnes, 1901 in Mülheim an der Ruhr geboren, hatte von Anfang an andere Pläne als die Rolle der braven Hausfrau. Da ihr Vater Großindustrieller war und sie sich seit Kindertagen für Autos interessierte, durfte sie bereits mit 15 Jahren erste Runden auf dem Werksgelände drehen. Mit 18 machte sie den Führerschein. Das war für eine Frau zur damaligen Zeit eine Seltenheit.

Außerdem arbeitete sie im elterlichen Unternehmen mit. Nach dem Tod ihres Vaters wollte sie eine führende Rolle darin übernehmen. Doch ihre Mutter wollte sie lieber verheiraten. Davon hielt sie wiederum nichts und ging nach Berlin, wo sie erste Autorennen fuhr.

Schon bald gewann sie erste Titel und fuhr den Männern im wahrsten Sinne des Wortes davon. Bis 1927 hatte sie 17 Titel gewonnen und galt als die erfolgreichste Rennfahrerin Europas. Dann machte sie sich auf, um mit einem Auto die Welt zu umrunden.

Im Auto um die Welt

Im Mai 1927 startete Clärenore Stinnes in Frankfurt mit ihrem Auto. Die ersten Etappen brachten sie nach Istanbul, dann weiter nach Bagdad und schließlich wieder in Richtung Norden nach Moskau. Von dort aus ging es nach Nowosibirsk und Irkutsk und dann weiter nach Peking und Tokio.

Über den Pazifik erreichte sie schließlich Honolulu. In den USA fuhr sie nach Los Angeles und San Francisco und dann weiter nach Vancouver in Kanada. Von dort aus ging es in den Süden nach Lima und Buenos Aires und dann weiter Richtung Norden nach Panama, Detroit und New York.

Nach der Atlantiküberquerung fuhr sie zurück nach Deutschland, wo sie im Juni 1929 in Berlin ankam. Über zwei Jahre dauerte ihre abenteuerliche Reise rund um den Globus. Unter anderem fuhr sie über den zugefrorenen Baikalsee, durch die Wüste Gobi und die Anden und legte insgesamt 46.758 Kilometer zurück.

Frau aus Stahl

Die Reise begann zunächst mit drei Männern: zwei Technikern sowie dem schwedischen Fotografen Carl-Axel Söderström. Doch nach und nach sprangen die Techniker ab. Schließlich war die Reise kein Zuckerschlecken: Sandstürme, eisige Kälte, unwegsames Gelände und Wegelagerer – sie begegneten so einigen Herausforderungen auf ihrer Route.

Doch die „Frau aus Stahl“, wie Clärenore Stinnes genannt wurde, gab nicht auf. Zusammen mit dem Fotografen strotzte sie allen Widrigkeiten. Während der Fahrt kamen sich Clärenore Stinnes und Carl-Axel Söderström näher. Er ließ sich nach seiner Rückkehr scheiden und heiratete sie. Gemeinsam ließen sie sich in Schweden nieder.

Literaturhinweise:

  • Habinger, Gabriele, Carl-Axel Söderström & Ulf Söderström. 2016. Eine Frau fährt um die Welt: Die spektakuläre Reise der Clärenore Stinnes 1927-1929. Frederking & Thaler.
  • Kellermann, Katharina. 2017. Heroinen der Technik zwischen 1918 und 1945: Selbstinszenierung - Funktionalisierung - Einschreibung ins deutsche kulturelle Gedächtnis. University of Bamberg Press.
  • Stinnes, Clärenore. 2022. Im Auto durch zwei Welten: Die erste Autofahrt einer Frau um die Welt 1927 bis 1929. Edition Frauenfahrten, herausgegeben von Gabriele Habinger. Promedia.
  • Strohmeyr, Armin. 2018. Weltensammlerinnen: spektakuläre Reiseabenteuer mutiger Frauen. Piper.

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