Wer schön sein will, muss leiden – oder wie war das? Es gibt zahlreiche Beispiele aus aller Welt, bei denen sich Menschen freiwillig – oder auch gegen ihren Willen – modifizieren und zeitgleich quälen ließen, um Schönheitsidealen zu entsprechen.
Oft sind und waren solche Praktiken mit gesundheitlichen Schäden sowie lebenslangen psychischen und physischen Schmerzen verbunden. Doch was erleidet man nicht alles, um einem Ideal zu entsprechen?
In diesem Beitrag geht es um vier Beispiele, wie Frauen sich für Schönheitsideale quälen ließen: von Wespentaillen und Brustbügeln über Lotusfüße bis hin zu Langhälsen.
Mal rund, mal knabenhaft – die Schönheitsideale haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert. Während zur Zeit des Barocks Rundungen als schön galten – man denke nur an die Darstellungen des Barockmalers Rubens –, galt in der Folgezeit eine möglichst flache Brust und Taille als Ideal.
Um diesem Ideal zu entsprechen, banden Frauen ihren Körper ein. Dazu wurden Korsetts aus Fischbein, Metall oder Holz verwendet. So wurden Frauen zu geformten Lustobjekten.
Es folgte eine Zeit, in der üppigere Busen wieder modern wurden. Das Korsett blieb jedoch bestehen, da es die Oberweite betonte, indem frau die Taille besonders eng schnürte.
Das Korsett brachte jedoch zahlreiche gesundheitliche Nachteile mit sich. Hitzewallungen, Ohnmachtsanfälle, Appetitlosigkeit oder Kopfschmerzen waren dabei noch die harmlosesten. Es kam zu Fehlgeburten und Organschäden. All dies trug zum Idealbild der schwachen Frauen bei.
In manchen afrikanischen Ländern wird bei Mädchen heute noch eine schmerzhafte Prozedur durchgeführt, die als „Brustbügeln” bezeichnet wird. Sobald das Brustwachstum einsetzt, werden dabei erhitzte Steine auf die Brust der Mädchen gerieben, um das Wachstum zu hemmen. Eine äußerst schmerzhaft Praktik.
Meist wird diese Prozedur von engen Verwandten durchgeführt. Das Ziel besteht darin, die Mädchen jünger und unattraktiver erscheinen zu lassen, um ungewollte Schwangerschaften in jungen Jahren zu verhindern. Diese werden nämlich geächtet und ziehen einen sozialen Abstieg nach sich.
Abgesehen von den Schmerzen und der Traumatisierung können durch das Brustbügeln das Bindegewebe geschädigt, das Selbstwertgefühl beeinträchtigt und das Risiko von Infektionen, Zysten und Krebs erhöht werden.
Über viele Jahrhunderte hinweg gab es in China ein Schönheitsideal, das für die Frauen mit großen Qualen verbunden war: die sogenannten Lotusfüße.
Durch das Abbinden wurde das Wachstum der Füße gestoppt. Um die Zehen unter der Sohle einzuklemmen, wurden sie verbogen oder gebrochen. Es standen dem Betroffenen jahrelange Schmerzen bevor – all das, um dank dieser Qualen einmal eine gute Ehe eingehen zu können.
Oft kam es zu Entzündungen oder fauligen Gerüchen, die mit Parfüm überdeckt wurden. Frauen trugen ihre Bandagen und Schuhe in der Regel auch im Bett, um das Wachstum zu unterdrücken und unangenehme Gerüche zu vermeiden.
Frauen mit extrem kleinen Füßen galten als besonders erotisch. Daher begann man im Alter von fünf bis sechs Jahren damit, ihre Füße zu binden, um sie am Wachstum zu hindern. Frauen mit gebundenen Füßen entwickelten einen trippelnden Gang und wackelten mit den Hüften, was als äußerst sexy galt. Es war auch ein Statussymbol, denn nur wohlhabende Männer konnten es sich leisten, eine Frau mit Lotusfüßen zu heiraten. Diese blieb im Haus und ließ die Hausarbeiten von Dienstpersonal erledigen.
Auch in Sexualhandbüchern war von den Lotusfüßen die Rede. Bis an die 48 verschiedene Möglichkeiten werden beschrieben, wie man mit gebundenen Frauenfüßen spielen konnte.
In Südostasien gibt es eine andere Tradition: Frauen tragen einen schweren Halsschmuck, der ihren Hals optisch verlängert. Die Padaung-Frauen tragen diesen Schmuck meist bereits seit ihrer Kindheit. Er deformiert ihre Schultern, sodass der Hals länger wirkt.
Was für die ursprünglich im heutigen Myanmar ansässigen Padaung eine lange Tradition darstellt, wird heute wie eine Menschenschau vermarktet. Frauen, die beispielsweise aus Myanmar nach Thailand geflohen sind, werden in sogenannten Schaudörfern zu touristischen Zwecken ausgestellt. Als „Long Neck Karen” oder „Giraffenhalsfrauen” ziehen sie zahlreiche Touristen an, wobei sie an dieser Zurschaustellung nicht verdienen.
Wie die vier hier erwähnten Beispiele zeigen, gehen mit Schönheitsidealen häufig gesundheitliche und psychische Probleme einher. Der Körper wird dabei bewusst in eine bestimmte Form gebracht. Dies lässt sich jedoch noch auf viele weitere Ideale ausdehnen, die in unserer Gesellschaft tief verankert sind und Frauen sowie Männern das Leben schwer machen.
Ideale sind wie festsitzende Mythen. Sie sind die Vorstellung von einer vermeintlichen Perfektion, die es zu erreichen gilt und die meist nicht der Realität entspricht. Leider hat sich auch im 21. Jahrhundert noch keine Akzeptanz für menschliche Körpervielfalt durchgesetzt.
Literaturhinweise:
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